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Sonnenwende, Wilde Jagd und andere Geschichten...

Sonnenwende und Rauhnächte

Das Licht kehrt zurück

Die Adventszeit mit ihren vielen Kerzen und Lichterketten lässt es uns zum Glück oft vergessen: Der Dezember ist ein dunkler Monat.
Aber nicht verzagen, mit der Wintersonnenwende am 22. Dezember beginnt nicht nur der astronomische Winter, auch das Licht kommt zurück. An diesem Tag erreicht die Sonne auf der Nordhalbkugel die geringste Mittagshöhe über dem Horizont. Wir haben den kürzesten Tag und die längste Nacht des Jahres. Jetzt werden die Tage wieder länger, bis um den 21. März herum eine Tag-Nacht-Gleiche und im Juni der längste Tag des Jahres erreicht wird.

Eine geheimnisvolle Zeit

Mit der Wintersonnenwende, der Thomasnacht, beginnen die Rauhnächte.
Eine mythenumwobene Zeit. Kalt, dunkel und um die Häuser heult ein eisiger Wind. Idealer Nährboden für Geisterglaube und Geschichten:

-      Wäschewaschen und Aufhängen bringt Unglück und Not.

-      Frauen und Kinder sollten in der Dunkelheit nicht draußen unterwegs sein.

-      Tieren im Stall sagt man nach, in einigen Rauhnächten sprechen zu können. Ein Beweis steht aber noch aus, denn wer den Tieren zuhört, ist dem Tode geweiht.

-      Auch für Orakel ist diese Zeit sehr geeignet. Bleigießen an Silvester kennen wir alle

Der Ursprung des Wortes „Rauhnacht“ kommt von Rauchnächte. Mit Kräutern versuchte man damals die dunklen Geister und Dämonen auszuräuchern und die guten Geister willkommen zu heißen. Nach der Christianisierung hat die Kirche einige dieser Bräuche übernommen. Noch heute ist es so, dass der katholische Priester bei der Einweihung von Gebäuden immer ein Weihrauchfass dabeihat.   

Die Zeit „Zwischen den Jahren“

Die Rauhnächte fallen in die Zeit „Zwischen den Jahren“. Dieser Ausdruck hat seinen Ursprung im germanischen Mondkalender. Dort hatte das Jahr 12 Monde was 354 Tage ergibt. Zu den 365 Tagen des Sonnenjahres fehlen also 11 Tage bzw.12 Nächte – die als tote Tage „zwischen die Jahre“ geschoben wurden.  

Die „Wilde Jagd“

In den Nächten rund um Silvester, wenn nach altem Volksglauben das Tor zum Geisterreich offensteht und die Seelen der Verstorbenen Ausgang haben, bricht Göttervater Wotan/Odin mit den Geistern zur wilden Jagd auf. Zauberkundige Menschen sollen sich dann in Werwölfe verwandeln.
Um die Geister fern zu halten machen wir noch heute in der Silvesternacht viel Lärm mit Feuerwerk und Böllern. In Norddeutschland gehen die Kinder mit dem „Rummelpott“ singend von Haus zu Haus. In Süddeutschland und Österrreich treten die Perchten auf den Plan.

Gute und böse Perchten 

Es gibt zwei Arten: die „guten“ Schönperchten und die „bösen“Schiechperchten. Mit ihrer Chefin Frau Perchta sind sie in Pelze und Felle gehüllt, mit finsteren Tiermasken auf dem Kopf und mit lauten Schellen und Glocken bewaffnet, unterwegs um die Vorschriften dieser Tage zu überwachen: Die Häuser sollen aufgeräumt und sauber sein und die Arbeit soll ruhen.
Während die Schiechperchten meist lärmend und furchteinflößend in der Nacht unterwegs sind, erscheinen die Schönperchten am Tage und wünschen den Menschen Glück und Segen.

Traditionelle Perchtenläufe finden in vielen bayerischen Städten und Gemeinden statt und ziehen jedes Jahr tausende Besucher an.

Unser Tipp für ein paar gruselige Stunden:

Der Rauhnachtsmarkt mit Perchtenlauf in Ruhpolding im Chiemgau

Und wenn Sie nicht so lange auf die Sonne warten möchten - hier können Sie die wärmenden Strahlen schon früher genießen.